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Chronik: Bridge in Rheinfelden

Die vorliegende „kleine Geschichte“ des Bridge-Spielens in Rheinfelden ist für die Anfänge relativ dürftig dokumentiert, da in den frühen Jahren ein privater Club bestand, der nur wenige Dokumente hinterliess. Erst nach der Gründung des „Bridgeclub Rheinfelden“ – eines beim Deutschen Bridge-Verband eingetragenen Vereins – wurden offizielle Bücher geführt, welche heute den Nachvollzug von Ereignissen in einer entsprechenden Chronologie erlauben.

Es ist zwar nirgends verbürgt, scheint aber praktisch gesichert, dass es bereits zur Kriegszeit einige Damen gab, die in Rheinfelden im kleinen privaten Kreise Bridge spielten. Ab März 1950 wurde die Sache ernsthafter betrieben und ein institutionalisierter Spielbetrieb ins Leben gerufen. Dabei spielte ein aus Böhmen stammender Studienrat, Herr Raimund Pumperla, eine gewichtige Rolle. Er begann damit, die interessierten Damen der Rheinfelder Gesellschaft in diesem bis anhin nicht gerade weitverbreiteten Kartenspiel zu unterrichten und offenbar auch zu begeistern. (Man kann nur vermuten, dass die damalige südbadische Spiellandschaft durch das von Männern einfacher zu bewältigende Skat beherrscht war...).

Der gegründete Club war sehr exklusiv. Man konnte sich nicht um eine Aufnahme bewerben, sondern wurde entweder angefragt oder sogar zum Beitritt „aufgefordert“ – wie einige Zeugen von damals noch zu berichten wissen.  Mitglieder wurden im wahrsten Sinne des Wortes  „handverlesen“. Sie waren, mit Ausnahme des Lehrers, alle weiblich und gehörten der damaligen „gesellschaftlichen Elite“ der Region an. Es waren Ehefrauen von Leitenden Angestellten der in der Nachkriegszeit schnell wachsenden chemischen Industrie, Unternehmer-Gattinnen, Geschäftsfrauen, Akademikerinnen oder sonst Damen mit einem besonderen gesellschaftlichen Status. Diesem exklusiven Kreise gehörten während seiner Existenz von 1950 bis 1993 wechselnd zwischen etwa 15 bis 20 aktive Spielerinnen an.

Und wie es für eine solche Institution angebracht war, hinterliess man – wie oben erwähnt – kaum „offizielle Spuren“. Es gab keine Kassenbücher und Sitzungsprotokolle; die Gruppe organisierte sich fortlaufend selber. Nur der formell festgelegte Spielnachmittag wurde strikt eingehalten. Allerdings gab es eine gewichtige Ausnahme bei der Dokumentierung. Ausserordentliche Ergebnisse, welche von den Beteiligten besondere Spielkunst erforderten – das Spielen eines Schlemms oder Gross-Schlemms – wurden protokollarisch in einem „Goldenen Buch“ festgehalten. Bezeichnenderweise hiess es auf der ersten Seite dieses preziösen Dokumentes: „Dies Buch, es soll den Spieler ehren, der Schlemm geboten und erfüllt“. (Eine kleine redaktionelle Anmerkung: feministisches Gedankengut war damals offensichtlich noch nicht weitverbreitet – es spielten viele Damen und gerade einmal ein Mann, aber von „Spieler-Innen“ wurde nirgends gesprochen...). Vom ersten Schlemm am 21.12.1950 bis zum Ende des Buches (1954) sind darin 7 (sieben) Gross-Schlemms und 88 (achtundachtzig) Klein-Schlemms aufgeführt. Wobei zu sagen ist, dass der Bridgelehrer an diesen 95 in schönster Hand-Schrift festgehaltenen Ereignissen 39 Mal beteiligt war! Aber immerhin, mit der Zeit wagten sich auch die Ausgebildeten in einsame Höhen hinauf – wie das zwischen 1955-58 weitergeführte, aber nur noch den Gross-Schlemms vorbehaltene „Goldene Buch“ belegt. Bei den 17 (siebzehn) dokumentationswürdigen Ereignissen hatte der Lehrer seine Hand gerade noch vier Mal im Spiel....

Zeugen besagen auch, dass sich nicht immer alles nur um das Bridgespielen drehte, sondern dass daneben Ausflüge organisiert und manchmal recht ausgelassene Feste gefeiert wurden. Wobei von solchen Aktivitäten in vielen Fotografien bildlich Zeugnis abgelegt wurde. Diese Bilder – und einige erhaltene dichterische Beiträge zum Bridgespielen und Clubleben - belegen mehr als deutlich, dass sich die Mitglieder sehr wohl neben den Geist-fordernden Spielnachmittagen zu amüsieren verstanden...

Es wurde Rubber-Bridge gespielt und selbstverständlich stand in diesem kleinen Kreise auch mehr Zeit für Konversation und persönlichen Austausch zur Verfügung als beim heutigen mehr sportlich orientierten Spielbetrieb mit 50 bis 80 Teilnehmern.

Erst Mitte der Achtzigerjahre wurde einem weiteren Mann die Türe zur gleichberechtigten „Mitgliedschaft“ geöffnet: Franz Schmiderer.

Ein historisch klar belegtes Datum stellt der 16. März 1993 dar, an diesem Tage erfolgte die offizielle Gründung des Bridge-Clubs Rheinfelden („BCR“). Als Geburtshelferin hatte Frau Angela Vogel von Albbruck wertvolle Unterstützung geleistet. Sie wurde aufgrund ihrer Verdienste als Bridge-Instruktorin und Förderin des Clubgedankens von der Gründungsversammlung direkt zum Ehrenmitglied ernannt. Das Protokoll der Mitgliederversammlung führt 35 Mitglieder auf – 34 Frauen und eben den oben erwähnten einzigen Mann. Als erste Vorsitzende amtete Frau Sigrid Schutte. Zu vermerken zu dieser Gründung ist auch, dass gleichzeitig eine „Öffnung“ des Clubs stattfand und dass nun Personen von aussen und von sich aus, zum Beispiel aufgrund von Presseartikeln, Interesse bekunden und sich anmelden konnten. Und dass diese dann auch ohne spezielle „Aufnahme-Prüfung“ aufgenommen wurden. Damit hatte der Club den Anstrich des Elitären und Exklusiven definitiv hinter sich gelassen.

Alle mit der Vereinsgründung einhergehenden Beschlüsse wie Mitgliederbeitrag (DM 75.-), Gastgeld (DM 5.-) und die Wahl in alle Gremien (Vorstand/Schiedsgericht/Kassenprüfung) sowie die Besetzung der einzelnen Funktionen wurden ordnungsgemäss im ersten Protokoll festgehalten. Ebenso wurden die Unterlagen für die Akkreditierung beim Deutschen Bridgeverband eingereicht.

Nach dem Gründerjahr blieb die Mitgliederzahl relativ stabil. Neben dem Spielbetrieb wurden Aktivitäten initiiert oder weitergeführt, welche noch heute zum festen Bestandteil des Vereinslebens gehören. Wie zum Beispiel 1995 das erste Freundschaftsturnier mit dem BC Hochrhein oder die im Jahre 1996 begonnenen Lernkurse mit Dieter Will.

1997 wurde die Männerquote um einhundert Prozent erhöht und an der GV wurde beschlossen, die jeden Monat nur noch einmal stattfindende Rubber-Bridge-Runde beizubehalten. Sonst spielte man nun regelmässig modernes Turnierbridge - mit der damit einhergehenden aufwendigen Handauswertung der Boardzettel.

Ein Jahr später wurde der BCR erstmals aktiv im Liga-Pokal, wobei gegen die Mannschaft von Ketsch angetreten werden musste. Dass die Erfolgschancen nur theoretisch waren, geht allein aus der Zusammensetzung des gegnerischen Teams hervor: da spielten auf der andern Seite die deutschen Bridge-Grössen Frau von Arnim, zusammen mit Frau Rauscheid, sowie die Herren Goll und Back . Ein wahres „David-gegen-Goliath“-Szenario mit einem klaren (unbiblischen) Ausgang...

Unter dem Vorsitz von Frau Edda Balliello (1997 bis 1999) wuchs der Club auf 44 Mitglieder an; es wurden neue Turnierleiter ausgebildet und der Schritt ins elektronische Zeitalter unternommen. Als Sportwart hat Frau Hannelore Tromm in äusserst verdienter Weise während der ersten zehn Jahre die sportliche Weiterentwicklung mit „Erziehung und Information“ der Mitglieder vorangetrieben und eben auch die Einführung der computerisierten Turnierauswertung an die Hand genommen. (Dass Dinge im Laufe der Zeit auch billiger werden können, zeigt die damalige Abrechnung für den angeschafften Computer und den dazugehörigen Drucker: DM 2800.- !)

Im April 1999 übernahm Frau Christl Huber den Vorsitz des Clubs. Zwar musste sie ca. eineinhalb Jahre später wegen eines „temporären“ Umzuges nach England den Vorsitz für einige Jahre in die Hände von Frau Theilsiejfe übergeben. Diese hatte sich bereit erklärt, in der Interimsphase den Club zu leiten. Frau Huber kehrte schliesslich 2005 in den Club und in ihre ursprüngliche Rolle zurück.

Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts vergrössert sich der Club konstant. Durch zusätzliche Trainingsangebote und durch die Anstrengungen der weiteren in dieser Zeit tätigen Sportwarte (Hildegard Schwander bis 2008, dann Hans-Peter Huber) wurde auch der sportlichen Entwicklung das nötige Augenmerk geschenkt. Heute nehmen mehrere Teams in den unteren Bezirks-Ligen am regionalen Bridge-Geschehen teil. Vier Freundschaftsturniere mit dem BC Worms, die Einführung eines Benefiz-Turniers zugunsten einer karitativen lokalen Organisation sowie die Teilnahme am „Challenger-Turnier“ fallen ebenfalls in diese Expansions-Periode. Die Mitgliederzahl stieg von 50 im Jahre 2001 in zehn Jahren auf über 90 an und erreichte 2011 ein Rekordhoch von 94.

Zwei Punkte sind hierbei zusätzlich erwähnenswert: Die Toleranz gegenüber dem männlichen Geschlecht hat sich nicht nur gelegentlich verdoppelt, sondern sich wahrhaftig  potenziert: heute sind 17 Prozent der Erst- und Zweitmitglieder männlichen Geschlechts. Ob sich dabei das Niveau in irgend einer  Weise verändert hat, sei dem Urteil des Einzelnen überlassen...Zweitens hat die Globalisierung im Club ihre Spuren hinterlassen, indem auch Mitglieder aus dem befreundeten Ausland Zugang erhielten. Fast 25 Prozent der Mitglieder wohnen in der Schweiz – dabei sind allerdings auch einige, welche nicht „Schwiizer“ sind, aber „ännet em Rhii“ wohnen...

Allein diese stürmische Mitgliederentwicklung zeigt, dass der BCR sich einer grossen Beliebtheit erfreut und eine gewisse regionale Bedeutung hat. Als besonderes „Highlight“ sollte hier noch erwähnt werden, dass sich 2008 eine dreiundneunzig-jährige, sehr bridge-kundige Dame aus der Region für eine Zweitmitgliedschaft in unserm Club entschied – und diese 2010 in eine Erst-Mitgliedschaft umwandelte! Gibt es einen klareren Ausdruck für die Qualitäten und die Kultur des BC Rheinfelden als diesen „Vertrauensbeweis“ durch unsere hochgeschätzte Frau Christa Orth?

Das Wachstum in diesen Jahren hat selbstverständlich auch eine gewichtige Herausforderung an die Organisation und die Infrastruktur gestellt. Ein geregelter Turnierbetrieb mit meistens mehr als 15 Tischen, mit zusätzlichen Team-, Freundschafts- und weiteren Spezial-Turnieren kann nur einigermassen problemlos über die Bühne gebracht werden, wenn sich genügend Freiwillige zur Verfügung stellen. Deshalb mussten weitere Turnierleiter ausgebildet und Computer-Operateure sowie freiwillige Helfer für die Tischbereitstellung gewonnen werden. Um diesen gestiegenen Anforderungen und auch den Ansprüchen der Mitglieder noch besser gerecht werden zu können, wurde 2011 ein neues Auswertungs-Programm eingeführt und „Bridgemates“ erworben – eine Kombination, welche eine vereinfachte und schnellere Turnier-Auswertung erlaubt. Zusätzlich ist mit der Einführung der vorliegenden clubeigenen Homepage nochmals eine verbesserte und effizientere Mitglieder-Information angestrebt.

Speziell erwähnenswert sind auch die Bemühungen von freiwilligen „Bridge-Lehrern“ und Instruktoren, welche Kurse für Einsteiger organisierten oder sich um die Betreuung von Anfängern und Neumitgliedern kümmerten. Für das längerfristige Weiterbestehen des Clubs ist das Verbreiten von Bridgewissen und das kompetente Einführen von Interessierten in dieses  (jedenfalls für den Anfänger) relativ komplexe Kartenspiel  von essentieller Bedeutung.

Kein Erfolg blieb dem Projekt zur Einführung eines zweiten Spieltages beschieden. Offensichtlich genügte das Angebot des Clubs vollauf, um zusammen mit den Nachbar-Clubs in Lörrach und Säckingen/Albbruck die Mitglieder-Bedürfnisse nach Spielgelegenheiten abzudecken.

In all den über sechzig Jahren der Rheinfelder Bridge-Geschichte hat es überraschenderweise eine erstaunliche Konstanz in Bezug auf den Spielort gegeben: das „Hotel Danner“. Früh schon trafen sich die „elitären Damen“ entweder privat oder dann eben im „Danner“; nicht zuletzt vermutlich, weil sie damit auch ihre Männer etwas konkurrenzieren wollten, welche dort ihren Stammtisch hatten...

Es gab zwar Perioden, in denen der Club durch den Geschäftsführer in den grauen Keller des Hauses verbannt wurde. Oder während derer man wegen Umbaus ins Hotel Garni zu Herrn Häusermann ausweichen musste (1997-2001).  Trotz der Stiftung des besonderen „Häusermann Pokal“ musste aber aus Platzgründen wieder ein grösseres Lokal angestrebt werden. Dies brachte den Club 2002 ins „Danner“ zurück, wo im grossen Saal ideale Bedingungen zum Bridge-Spielen vorgefunden wurden. Und wo auch heute der inzwischen stark gewachsene Club einen guten und für alle Teilnehmer angenehmen Turnierbetrieb abwickeln kann.

Zum Schluss sei allen gedankt, welche Wissen zur Verfügung stellten und ihre eigenen Archive und Erinnerungen bemühten, um mir behilflich zu sein, diese sicher nicht vollständige „Chronik“ zusammenzustellen.
 

Rheinfelden, 10. Februar 2012                                                      Paul Gilgen

 

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